Bava Kamma 181

Kapitel 181

א אלמא בעינן אומדנא דבי דינא והא כיון דגמר דינא לקטלא לא משהינן ליה לאומדנא דבי דינא ולא מענינן לדיניה
1 hieraus also, daß eine Schätzung durch das Gericht erforderlich ist, und da dieser zum Tode verurteilt worden ist, so wird er nicht mehr zur Schätzung zurückgehalten, und in seiner Sache wird nicht mehr verhandelt.
ב ואמינא להו אנא אפילו תימא רבי עקיבא הכא במאי עסקינן כגון שברח
2 Da sprach ich zu ihnen: Man kann auch sagen, hier sei R. A͑qiba vertreten, denn hier handelt es sich um den Fall, wenn [der Eigentümer] entflohen ist. –
ג אי ברח כי לא דנוהו דיני נפשות היכי דיינינא ליה דיני ממונות בלא בעלים דקביל סהדי וברח
3 Wenn er entflohen ist, kann man ihn ja zur Geldentschädigung nicht verurteilen, auch wenn [der Ochs] nicht zum Tode verurteilt worden ist!? – Wenn er das Zeugen verhör angehört hat und entflohen ist. –
ד סוף סוף מהיכא משתלם מרידיא אי הכי תם נדייניה דיני ממונות ברישא ונשתלם מרידיא והדר נדייניה דיני נפשות
4 Wovon sollte denn die Zahlung eingefordert werden!? – Vom Ertrage des Pflügens. – Demnach sollte man auch den nicht verwarnten zuerst zur Geldentschädigung verurteilen und Zahlung vom Ertrage des Pflügens eintreiben und ihn nachher zum Tode aburteilen!?
ה אמר רב מרי בריה דרב כהנא זאת אומרת רידייא עלייה דמרה הוא:
5 R. Mari, Sohn des R. Kahana, erwiderte: Dies besagt eben, daß der Ertrag des Pflügens Eigentum des Besitzers ist.
ו איבעיא להו יש אומד לנזקין או אין אומד לנזקין
6 Sie fragten: Ist auch bei Schädigungen eine Schätzung erforderlich oder nicht?
ז מי אמרינן לקטלא הוא דאמדינן בהכי נפקא נשמה בהכי לא נפקא נשמה אבל לנזקין כל דהו או דלמא לא שנא
7 Sagen wir, nur bei der Tötung werde geschätzt, in einem Falle verliert er das Leben, in einem anderen Falle nicht, während eine Schädigung in jedem Falle erfolgt, oder gibt es hierbei keinen Unterschied? –
ח ת"ש מה בור שיש בו כדי להמית עשרה טפחים אף כל שיש בו כדי להמית עשרה טפחים היו פחותין מעשרה טפחים ונפל לתוכו שור או חמור ומת פטור הוזק בו חייב
8 Komm und höre: Wie eine Grube zu töten geeignet und zehn Handbreiten tief ist, ebenso auch alles andere, wenn es zu töten geeignet und zehn Handbreiten tief ist. Wenn sie weniger als zehn Handbreiten tief ist und ein Ochs oder ein Esel da hineinfällt und verendet, so ist er ersatzfrei; wird er beschädigt, so ist er ersatzpflichtig.
ט מאי לאו ממטה למעלה קא חשיב והכי קאמר מטפח ועד עשרה מיתה ליכא נזקין איכא אלמא לנזקין כל דהו שמע מינה אין אומדין לנזקין
9 Er rechnet ja wahrscheinlich von unten nach oben und meint es wie folgt: von einer Handbreite bis zehn erfolgt nicht der Tod, wohl aber eine Schädigung. Hieraus also, daß für eine Schädigung das wenigste ausreiche, somit ist keine Schätzung erforderlich. –
י לא ממעלה למטה קא חשיב והכי קאמר עשרה מיתה איכא פחות מעשרה פורתא נזקין איתא מיתה ליכא ולעולם אימא לך יש אומד לנזקין וכל מידי ומידי כי היכי דמיתזקה ביה בעינן
10 Nein, er rechnet von oben nach unten und meint es wie folgt: bei zehn Handbreiten erfolgt der Tod, bei etwas weniger erfolgt eine Schädigung, nicht aber der Tod. Man kann somit sagen, auch bei Schädigungen sei eine Schätzung erforderlich, in welchem Grade die Schädigung erfolgen kann. –
יא תא שמע הכהו על עינו וסימאו על אזנו וחירשו עבד יוצא בהן לחירות כנגד עינו ואינו רואה כנגד אזנו ואינו שומע אין עבד יוצא בהן לחירות מאי טעמא לאו משום דבעינן אומדנא ושמע מינה יש אומדנא לנזקין
11 Komm und höre: Wenn jemand einen Sklaven aufs Auge geschlagen und es blind gemacht hat, aufs Ohr und es taub gemacht hat, so geht er dieserhalb frei aus; wenn aber gegen das Auge und er nicht sehen kann, gegen das Ohr und er nicht hören kann, so geht er dieserhalb nicht frei aus. Doch wohl, weil eine Schätzung erforderlich ist; hieraus also, daß bei Schädigungen eine Schätzung erforderlich ist. –
יב לא משום דאמרינן הוא דאבעית נפשיה כדתניא המבעית את חבירו פטור מדיני אדם וחייב בדיני שמים כיצד תקע באזנו וחירשו פטור אחזו ותקע באזנו וחירשו חייב
12 Nein, weil wir sagen, er selber hat es verschuldet. Es wird nämlich gelehrt: Wer seinen Nächsten erschreckt, ist beim menschlichen Gerichte frei und beim himmlischen Gerichte schuldig; und zwar: hat er ihm ins Ohr hineingeblasen und ihn taub gemacht, so ist er frei, wenn er aber das Ohr angefaßt, hineingeblasen und ihn taub gemacht, so ist er schuldig. –
יג ת"ש חמשה דברים אומדין אותו ונותנין לו מיד ריפוי ושבת עד שיתרפא אמדוהו והיה מתנונה והולך אין נותנין לו אלא כמו שאמדוהו
13 Komm und höre: Hinsichtlich der fünf Zahlungen schätze man ihn und er zahle sie ihm sofort; Kurkosten und Versäumnis bis zu seiner Genesung. Wenn man ihn geschätzt und die Krankheit sich länger hingezogen hat, so erhält er nur das, was man ihm zugesprochen hat;
יד אמדוהו והבריא נותנין לו כל מה שאמדוהו ש"מ יש אומד לנזקין למימד גברא כמה ליקצר מיהא מכה כמה לא מקצר לא קא מבעי לן דודאי אמדינן כי קא מבעיא לן למימד חפצא אי עביד האי נזקא או לא מאי
14 wenn man ihn geschätzt hat und er früher genesen ist, so erhält er alles, was man ihm zugesprochen hat. Hieraus ist also zu entnehmen, daß bei Schädigungen eine Schätzung erforderlich ist. – Ob die Person zu schätzen ist, wie lange sie infolge des Schlages krank sein muß, ist uns nicht fraglich, fraglich ist uns nur, ob man den Gegenstand schätze, ob er eine Schädigung herbeiführen kann oder nicht. –
טו ת"ש שמעון התימני אומר מה אגרוף מיוחד שמסור לעדה ולעדים אף כל מיוחד שמסור לעדה ולעדים שמע מינה יש אומד לנזקין שמע מינה:
15 Komm und höre: Šimo͑n der Temanite sagte: wie die Faust der Gemeinde und den Zeugen vorgelegt werden kann, ebenso auch alles andere, wenn es der Gemeinde und den Zeugen vorgelegt werden kann. Hieraus also, daß bei Schädigungen eine Schätzung erforderlich ist. Schließe hieraus.
טז אמר מר אמדוהו והבריא נותנין לו כל מה שאמדוהו מסייע ליה לרבא דאמר רבא האי מאן דאמדוהו לכולי יומא ואיתפח לפלגא דיומא וקא עביד עבידתא יהבינן ליה דכולי יומא מן שמיא הוא דרחמי עליה:
16 Der Meister sagte: Wenn man ihn geschätzt hat und er früher genesen ist, so erhält er alles, was man ihm zugesprochen hat. Dies ist eine Stütze für Raba, denn Raba sagte: Wenn man einem eine [Entschädigung] für den ganzen Tag zugesprochen hat und er in der Mitte des Tages genesen ist und Arbeit verrichtet hat, so erhält er [die Entschädigung] für den ganzen Tag, denn im Himmel erbarmte man sich seiner.
יז רקק והגיע בו הרוק והעביר כו': אמר רב פפא לא שנו אלא בו אבל בבגדו לא וניהוי כי בייש בדברים
17 S<small>PUCKT ER NACH IHM, SODASS DER</small> S<small>PEICHEL IHN TRIFFT, ZIEHT</small> &amp;<small>C.</small> R. Papa sagte: Dies nur, wenn er ihn selber, nicht aber wenn er sein Gewand trifft. – Sollte es doch ebenso sein, als hätte er ihn durch Worte beschämt!? –
יח אמרי במערבא משמיה דרבי יוסי בר אבין זאת אומרת ביישו בדברים פטור מכלום:
18 Im Westen sagten sie im Namen des R. Jose b. Abin, dies besage eben, daß, wenn jemand einen durch Worte beschämt, er frei sei.
יט הכל לפי כבודו [וכו']: איבעיא להו תנא קמא לקולא קאמר או לחומרא קאמר לקולא קאמר דאיכא עני דלא בעי למשקל כולי האי או דלמא לחומרא קאמר דאיכא עשיר דבעי למיתב ליה טפי
19 A<small>LLES NACH SEINER</small> W<small>ÜRDE</small> &amp;<small>C.</small> Sie fragten: Ist der erste Autor erleichternder oder erschwerender Ansicht? Ist er erleichternder Ansicht, daß nämlich mancher Arme nicht soviel erhält, oder ist er erschwerender Ansicht, daß nämlich mancher Reiche mehr erhält? –
כ תא שמע מדקאמר ר' עקיבא אפילו עניים שבישראל רואין אותן כאילו הן בני חורין שירדו מנכסיהם שהם בני אברהם יצחק ויעקב שמע מינה תנא קמא לקולא קאמר ש"מ:
20 Komm und höre: R. A͑qiba sagt, auch die Ärmsten in Jisraél betrachte man als Freie, die ihr Vermögen verloren haben, denn sie sind Söhne von Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob. Schließe hieraus, daß der erste Autor erleichternder Ansicht ist. Schließe hieraus.
כא ומעשה באחד שפרע ראש האשה [וכו']: ומי יהבינן זמן והאמר רבי חנינא אין נותנין זמן לחבלות
21 E<small>INST ENTBLÖSSTE JEMAND EINER</small> F<small>RAU DAS</small> H<small>AUPT AUF DER</small> S<small>TRASSE</small> &amp;<small>C.</small> Gewährt man denn eine Frist, R. Ḥanina sagte ja, daß man bei Verletzungen keine Frist gewähre!? –
כב כי לא יהבינן ליה זמן לחבלה דחסריה ממונא אבל לבושת דלא חסריה ממונא יהבינן:
22 Nur bei Verletzungen, die eine Vermögensschädigung zur Folge haben, gewähre man keine Frist, bei Beschämungen aber, die keine Vermögensschädigung zur Folge haben, gewähre man wohl.
כג שמרה עומדת על פתח חצירה וכו': והתניא אמר לו ר' עקיבא צללת במים אדירים והעלית חרס בידך אדם רשאי לחבל בעצמו
23 H<small>IERAUF BEOBACHTETE ER SIE VOR DER</small> T<small>ÜR IHRES</small> H<small>OFES &amp;C</small>. Es wird ja aber gelehrt: R. A͑qiba sprach zu ihm: Du bist in reißendes Wasser getaucht und hast eine Scherbe in deiner Hand hervorgeholt; ein Mensch darf sich selber verletzen!?
כד אמר רבא לא קשיא כאן בחבלה כאן בבושת והא מתניתין בבושת הוא
24 Raba erwiderte: Dies ist kein Einwand, das eine spricht von einer Verletzung, das andere spricht von einer Beschämung. – Unsere Mišna spricht ja aber von einer Beschämung,